Weihnachtsmuffel I

Was auch immer bestimmte Leute dazu bewegt, im September die ersten Schokoladen-Weihnachtsmänner oder Lebkuchenherzen zu verkaufen, weiß ich nicht. Die Tradition oder der Respekt vor dem Weihnachtsfest bzw. den Gefühlen der Konsumenten kann es nicht sein. Die Vorfreude auf Weihnachten hatte einmal ihren festen Platz bei all dem Treiben: Und zwar im DEZEMBER. Mit der Vorfreude und der Weihnachtsstimmung ist das aber so eine Sache. Je länger diese gezwungenermaßen anhält oder je früher man dazu verdonnert wird, desto mehr nutzt sie sich ab. Desto schaler wird ihr Geschmack. Bis sich die Vorfreude so etwa in der dritten Novemberwoche in blanken Zynismus wandelt und die alberne Fratze des Weihnachtsgeschäftes durchschaut wird. Spätestens jetzt ist mir der anhaltende Weihnachtstrubel, welcher auf den Weihnachtsmärkten ohne Zweifel seinen Höhepunkt findet, vollkommen Wurscht. Mit einem Anflug von Sarkasmus beobachte ich die vom Glühweinmonopol angefixten, alkoholgetränkten Geschöpfe mit ihren erbärmlich blinkenden Zipfelmützen, wie sie sich im Rausch der kommerziellen Weihnachtsillusion heiser lachend von Glühweinstand zu „Lühüweinschtand“ schleppen, quasi als zeitgemäße Interpretation der Adventszeit. Besinnungsloses Saufen und Kaufen als Antwort auf die traditionell postulierte Besinnung. Ruhe findet man wohl nur noch, wenn man sich die Augen und Ohren zuhält, was mich an drei Affen Minai, Kikanai und Iwanai erinnert. Muss man sich also erst zum Affen machen, um innere Ruhe zu finden? Ist das etwa der wahre Antrieb der Zipfelmützenträger am Glühweinstand? Quasi öffentliche Selbstanprangerung und Selbstverspottung als reinigendes Ritual ähnlich dem Fasten im Advent zu verstehen. So langsam wir mir einiges klar.

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