Kategorie-Archiv: Wie das Leben so spielt

Gott und das Ich

Ich: Gott?

Gott: Ja.

Ich: Entspricht es der Wahrheit, dass …

Gott: Ach was ist schon die Wahrheit?

Ich: Es ist zum Beispiel die Wahrheit, dass du mich gerade unterbrochen hast.

Gott: Dann ist es auch die Wahrheit, dass du dich hast unterbrechen lassen.

Ich: Wenn nicht von Gott, von wem dann.

Gott: (lacht) Da hast du Recht.

Ich: Nun dann sag mir doch mal, was die Wahrheit ist?

Gott: Wahrheit ist beschreibend, nicht ursächlicher Natur.

Ich: Ähm, versteh ich nicht.

Gott: Dachte ich mir. Nicht weil ich sage es ist, existiert das Seiende sondern weil das Seiende existiert kann ich sagen es ist. Und das wäre dann die Wahrheit.

Ich: Oha. Sehr philosophisch.

Gott: Naja, eine kleine Schwäche von mir (lächelt verlegen).

Ich: Die Wahrheit existiert also immer nur für den Moment und nur innerhalb eines fest definierten Wahrheitssystems? Die Wahrheit beschreibt einen kurzen Zustand der Realität als Resultat einer Aneinanderreihung glücklicher Umstände.

Gott: Na nicht ganz.

Ich: Die Wahrheit existiert auch ohne einen Betrachter?

Gott: Das Seiende selbst ist Wahrheit. Das Nicht-Seiende selbst ist Wahrheit.

Ich: Dit is mir langsam zu hoch.

Gott: (lächelt) Das wiederum ist menschlich. Ich meinte damit, dass es die Unwahrheit nicht gibt.

Ich: Wie jetzt! Kein Dualismus.

Gott: Kein Dualismus.

Ich: Aber wenn ich zum Beispiel sage: „Die Erde ist eine Scheibe“ – das kennst du sicher noch – dann ist das doch die Unwahrheit, oder?

Gott: Nein. Dann ist dein Beispiel Blödsinn. Es gibt keine Unwahrheit im Seienden oder Nicht-Seienden. Wie gesagt, die Wahrheit existiert auch ohne den Interpret oder Betrachter. Wenn du behauptest die Erde sei eine Scheibe, und ja ich musste mir dieses Theater darum lange genug anhören, dann bist du ein schlechter Beobachter des Seienden. Das ändert aber nichts an der Wahrheit.

Ich: Ähm, dann ist die „Unwahrheit“ nur eine Nachlässigkeit bei der Wiedergabe der Wahrheit?

Gott: Wie so vieles bei euch Menschen.

Ich: Dann müsste doch eigentlich niemand die Wahrheit sagen müssen, weil diese ja ohne hin ist und dem entsprechend auch nicht die Unwahrheit.

Gott: So ist es.

Ich: Aha. Wahrheit ist ohne Bild und ohne Wort.

Gott: Jetzt sprechen wir eine Sprache (freut sich).

Ich: (freu mich auch)

Gott und das Ich

Ich: Gott?

Gott: Ja.

Ich: Ist das Leben eine Einbahnstraße?

Gott: Nein.

Ich: Warum?

Gott: Weil das Leben nicht nur in eine Richtung verläuft.

Ich: Aber die Zeit schreitet immer weiter voran.

Gott: Zeit schreitet nicht voran. Zeit ist.

Ich: Wie meinst du das?

Gott: Deine Vorstellung von Zeit ist eine mechanische Illusion, weil dir ein Sinnesorgan fehlt, mit welchem du Zeit empfinden kannst.

Ich: Ach, ist ja interessant.

Gott: Ja ja so ist das.

Ich: Aber es gibt doch eine Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Das deutet doch auf eine geradlinige Zeit hin, oder?

Gott: (lacht) Alles Quatsch. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ist ein und das selbe. Man könnte es auch permanente Veränderung nennen. Für dein Bewusstsein existiert nur eine Gegenwart. Das es eine Zukunft gibt ist eine Vermutung, weil du glaubst das deine Erinnerungen die Vergangenheit darstellen. Deine Erinnerungen gehören aber der Gegenwart an. Auch ist das was du Zukunft nennst, wenn es denn eintritt nichts weiter als Gegenwart.

Ich: Leuchtet mir ein.

Gott: Freut mich.

Ich: Gott?

Gott: Ja.

Ich: Gibt es eine Alternative?

Gott: Wofür?

Ich: Na für alles.

Gott: Jepp.

Ich: Auch für dich?

Gott: Öhm, wie meinst du den das jetzt schon wieder?

Ich: Na du bist doch allmächtig.

Gott: Ja.

Ich: Dann kannst du also alles machen?

Gott: (ein wenig unsicher) Ja.

Ich: Kannst du dich auslöschen?

Gott: Nein.

Ich: Hm, dann bist du nicht allmächtig.

Gott: (staunt) Sieht ganz so aus.

Ich: Schön zu wissen, das auch du so deine Schwächen hast.

Gott: Wir haben doch alle unser Päckchen zu tragen.

Ich: Weise Worte.

Gott: (lacht wieder)

Ich: Na dann mach’s gut. Ich geh mal schlafen. Es ist schon spät.

Gott: Es ist nur Dunkel. Zeit ist relativ.

Ich: Ach Gott du weißt schon wie ich’s meine.

Gott: Träum was schönes.